125 Jahre HWK SchwabenGestern - Wenn es die Handwerkskammern nicht gäbe, müsste man sie erfinden.
30. Januar 1868 Gewerbefreiheitsgesetz
Zunehmende Industrialisierung und die Liberalisierung der Gewerbepolitik gipfeln in der schrankenlosen Gewerbefreiheit. Die Preise für Handwerksprodukte steigen, die Qualität der Waren verschlechtert sich, so dass deutsche Produkte die diskriminierende Bezeichnung „Made in Germany“ tragen müssen.
24. Juni 1897 Novellierung der Reichsgewerbeordnung
Die Reichsregierung unter Otto von Bismarck erkennt, dass der mit der schrankenlosen Gewerbefreiheit verbundene Wegfall einer beruflichen Organisation zu einem Verfall des beruflichen Erziehungs- und Ausbildungswesens und damit zu einem ökonomischen Niedergang geführt hat. Deshalb verabschiedet der Deutsche Reichstag eine Novellierung der Reichsgewerbeordnung. Darin heißt es in §103 u.a.
„Zur Vertretung der Interessen des Handwerks ihres Bezirkes sind Handwerkskammern zu errichten.“
Die Handwerkskammer soll in allen wichtigen, die Gesamtinteressen des Handwerks oder die Interessen einzelner Zweige desselben berührenden Angelegenheit gehört werden. Sie ist befugt, Veranstaltungen zur Förderung der gewerblichen, technischen und sittlichen Ausbildung der Meister, Gesellen und Lehrlinge zu treffen, sowie Fachschulen zu errichten und zu unterstützen.
15. Mai 1900 Gründung der Handwerkskammer für Schwaben und Neuburg
Ab dem 1. April 1900 werden auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches insgesamt 71 Handwerkskammern gegründet, darunter die Handwerkskammer für Schwaben und Neuburg.
Die ersten Büro- und Verwaltungsräume der Handwerkskammer befinden sich am Kesselmarkt in Augsburg.
1901/1902 Zahlen, Daten, Fakten
Bereits 1901 werden im Kammerbezirk 218 Gesellenprüfungen abgelegt und 1902 die ersten neun Meisterprüfungen.
Im Kammerbezirk gibt es insgesamt 53 Innungen und Vereinigungen.
Erster Präsident ist der in Hafenreuth bei Donauwörth geborene Schuhmachermeister Johann Nepomuk Mederle. Er wird beschrieben als „selbstloser, feiner und gerader Charakter und bescheiden gegenüber seiner Person. Als in den Anfangsjahren der Kammerhaushalt ein Defizit aufweist, verzichtet er auf sein Honorar, um damit das Defizit abzutragen.“ Geschäftsführender Beamter ist der Sekretär Karl Stadelmann.
1908 „Kleiner Befähigungsnachweis“ wird eingeführt
"In Handwerksbetrieben steht die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur denjenigen Personen zu, welche das vierundzwanzigste Lebensjahr vollendet und eine Meisterprüfung bestanden haben."
28. Juli 1914 – 11. November 1918 Erster Weltkrieg
Nach Kriegsende und dem damit verbundenen Zusammenbruch der Monarchie sieht sich das berufsständisch denkende Handwerk mit dem völligen Wandel des staatlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umfelds konfrontiert. Dadurch gewinnt die handwerkspolitische Arbeit zur Vertretung der Interessen des Handwerks immer mehr an Bedeutung.
Die Handwerkskammer für Schwaben setzt sich in dieser Phase durch zahllose Gutachten, Eingaben, Anträge und Berichte an die Behörden für die Einflussnahme in Steuerfragen, die Eindämmung der nebenberuflichen Gewerbeausübung, die Abwehr von staatlichen und gemeindlichen Regiebetrieben und den Kampf gegen Kommunalisierung und Sozialisierung ein.
1919 – 1923 Soziales Engagement durch zwei Stiftungen
Nach dem Krieg gründet die Handwerkskammer für Schwaben zwei Stiftungen – zum einen die König Ludwig und Maria Theresia Stiftung für bedürftige und würdige Handwerkslehrlinge, die zugleich Kriegswaisen waren, zum anderen die kriegswirtschaftliche Milchhilfe zur Förderung des Käserei- und Molkereigewerbes.
Aufgrund der hohen Inflation 1923 werden beide Stiftungen vollständig vernichtet.
19. April 1919 Eröffnung des Erholungsheims schwäbischer Gewerbetreibender
Nachhaltiger ist der Einsatz der Handwerkskammer für Schwaben für kranke, verwundete und erholungsbedürftige Handwerker. Sie übernimmt Ende 1917 das ehemalige Hotel Gary, renoviert es und eröffnet feierlich das Erholungsheim schwäbischer Gewerbetreibender in Bad Wörishofen.
1924 Bayerisches Gewerbeblatt
Um die Aufklärung der Handwerker in für sie wichtigen Fragen zu intensivieren, wird das Mitteilungsblatt der Handwerkskammer allen Handwerker im Kammerbezirk kostenlos zugesandt.
Außerdem betreibt die Handwerkskammer schon damals intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und unterhält gute Beziehungen zu den Vertretern der Medien.
1924/1925 Zahlen, Daten, Fakten
Eine Ende 1924 durchgeführte Betriebszählung ergibt für den Kammerbezirk insgesamt rund 26.000 Handwerksbetriebe.
Die Anzahl der Gesellenprüfungen im Kammerbezirk beträgt 2722, die der Meisterprüfungen 578.
Es gibt 372 Innungen und Vereinigungen im Kammerbezirk.
Präsident der Handwerkskammer mit neun Mitarbeitenden ist 1925 der Augsburger Baumeister Josef Halbeck, Geschäftsführer ist Dr. Hermann Purpus bzw. nach seinem Tod Direktor Cäsar Frettlöh.
März 1926 – September 1927 Bau und Bezug des Kammergebäudes am Schmiedberg
Im März 1926 erhält die Handwerkskammer von der Stadt Augsburg das am Schmiedberg gelegene Grundstück nachträglich zum 25-jährigen Jubiläum als Geschenk. Nach dem Erwerb eines angrenzenden Grundstückes wird im April 1926 mit dem Bau des Kammergebäudes begonnen und im November 1926 kann Hebauf gefeiert werden.
Im September 1927 wird dort dann die Arbeit aufgenommen.
11. Februar 1929 Führen einer Handwerksrolle durch HWK verpflichtend
Mit dem Erlass einer handwerksrechtlichen Ergänzung der Gewerbeordnung durch den Reichstag wird die Handwerkskammer zur Führung einer Handwerksrolle verpflichtet, einem amtlichen Verzeichnis "derjenigen Gewerbetreibenden, die im Bezirk der Kammer selbständig ein Handwerk als stehendes Gewerbe ausüben."
Mit dieser Gesetzesänderung werden erstmals eine exakte Abgrenzung des Handwerksbetriebs zum Industriebetrieb notwendig und sie eröffnet neue statistische Möglichkeiten für Erhebungen über das Handwerk und seine volkswirtschaftliche Bedeutung.
Die Novelle schreibt außerdem ein allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht aller selbständigen Handwerker im Kammerbezirk vor. Und die Zusammensetzung der Vollversammlung hat sich an der regionalen Bedeutung der Berufsgruppen zu orientieren.
29. Oktober 1929 „Schwarzer Freitag“ an New Yorker Börse
Die insgesamt positive Entwicklung des Handwerks und seiner Organisationen wird durch die Weltwirtschaftskrise jäh unterbrochen. Auch wirtschaftlich gesunde Handwerksbetriebe geraten in ernste Schwierigkeiten. Die Zahl der Arbeitslosen steigt ebenso an wie die Zahl der Sozialhilfeempfänger, darunter viele selbständige Handwerker.
März 1933 Führerprinzip
Die Unzufriedenheit ob der Weltwirtschaftskrise wird von den Nationalsozialisten propagandistisch geschickt ausgenutzt. Es setzt ein Machteroberungsprozess ein. Nach dem Führerprinzip werden bei der Handwerkskammer für Schwaben als einer Einrichtung des öffentlichen Rechts – wie bei allen HWKs – die Kammervorsitzenden und ihre Stellvertreter kurzerhand vom Reichswirtschaftsminister ernannt.
18. Januar 1935 „Großer Befähigungsnachweis“ wird eingeführt
Eine weitere Verordnung über den Aufbau des deutschen Handwerks legt fest: „Jeder Handwerker, der einen Handwerksbetrieb leiten und Lehrlinge ausbilden will, muss den Meisterbrief besitzen.“
Sie sieht aber auch den totalen Verlust der Selbstverwaltungseigenschaft der Kammern vor. Im Sinne einer Rechts- und Sachaufsicht unterstehen sie nun voll dem Reichswirtschaftsminister.
1. September 1939 – 2. September 1945 Zweiter Weltkrieg
Das Handwerk spielt nur eine untergeordnete Rolle und wird im Verlauf des Krieges immer mehr zu einem Instrument staatlicher Arbeitskraft- und Materialplanung.
20. April 1942 Gauwirtschaftskammer-Verordnung
Handwerkskammern werden mit Industrie- und Handelskammern zusammengelegt.
25./26. Februar 1944 Verwaltungsgebäude der HWK Schwaben wird vernichtet
Brandbomben lassen nur Ruinen zurück, jedoch wird die Arbeit in den notdürftig hergerichteten Trümmern wieder aufgenommen. Zwischen 1945 und 1948 wird das Gebäude schließlich neu aufgebaut.
Oktober 1945 Wiedereinführung der Handwerkskammern
In den ersten Nachkriegsjahren obliegt es den Handwerkern, die zerstörten Städte wieder aufzubauen und die zurückströmenden Bewohner mit den Notwendigkeiten des täglichen Lebens zu versorgen.
Das Staatsministerium für Wirtschaft ordnet die Wiedereinführung von Handwerkskammern an.
29. November 1948 Ausruf der totalen Gewerbefreiheit
Statt einer Handwerksordnung wie in den britischen und französischen Besatzungszonen führt die US-Militärregierung in Bayern per Direktive die totale Gewerbefreiheit ein. Aus den Handwerkskammern und Innungen werden "freie Vereine mit freiwilliger Mitgliedschaft". Hoheitliche Funktionen dürfen nicht ausgeführt werden, die Mitwirkung daran ist untersagt. Den Zusammenschlüssen des Handwerks auf Landes- und Zonenebene wird jede öffentliche Funktion entzogen. Der Große Befähigungsnachweis wird abgeschafft.
In Bonn wird der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) gegründet.
1948 – 1949 Erste Ausgabe der Bayerischen Handwerker Zeitung
Wie zum Trotz gegen die Amerikaner schließen sich 1948 die bayerischen Handwerkskammern und Innungen zum Bayerischen Handwerkstag (BHT) zusammen.
Als dessen offizielles Organ und Sprachrohr erscheint 1949 die erste Ausgabe der Bayerischen Handwerker Zeitung, verlegt vom Hans Holzmann Verlag in Bad Wörishofen.
In Bonn wird der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) gegründet.
Die Eröffnung der ersten Handwerksmesse in München im Jahr 1949 gerät zu einer Demonstration handwerklichen Leistungs und Lebenswillens.
1949/1950 Zahlen, Daten, Fakten
Die Handwerksrolle zählt rund 30.877 Handwerksbetriebe. 43 Prozent dieser Betriebe sind Kleinbetriebe und bestehen nur aus dem Inhaber, weitere 52 Prozent haben zwischen zwei und neun Beschäftigte.
Es gibt im schwäbischen Handwerk 14.735 Auszubildende.
Neben der Aus- und Weiterbildung werden auch die Beratungsleistungen der Kammer zu einem wichtigen Bestandteil der Arbeit für das schwäbische Handwerk. Als Beispiel können die allgemeine Rechtsberatung, die Unterstützung bei Ausstellungen und Messen und die sogenannte Buchstelle dienen.
Die Anzahl der Gesellenprüfungen im Kammerbezirk liegt bei 4436. Die Meisterprüfungen legen 1.010 Handwerker erfolgreich ab.
Die Zahl der Innungen im Kammerbezirk beläuft sich auf insgesamt 355.
Kammerpräsident und zugleich stv. ZDH-Präsident ist der Sanitär und Installateurmeister Anton Hockelmann. Hauptgeschäftsführer ist Dr. Georg Käß.
17. September 1953
Bestätigung der Handwerkskammern als Selbstverwaltungskörperschaften des öffentlichen Rechts
Die absolute Gewerbefreiheit von 1948 bedingt unzureichende Leistungen und Lieferungen. Die Bevölkerung klagt über Pfuscharbeit und vermisst die handwerkliche Qualitätsarbeit früherer Tage.
Die Aktivierung der breiten Öffentlichkeit bringt die Amerikaner 1953 endlich zur Freigabe einer einheitlichen Handwerksordnung. Sie wird von Bundestag und Bundesrat verabschiedet und schafft im gesamten Bundesgebiet ein einheitliches Handwerksrecht.
Zentrale Punkte dieser Handwerksordnung sind
- die Wiedereinführung des „Großen Befähigungsnachweises“ als Voraussetzung für Ausbildung und Führung eines Betriebes,
- die Wiederherstellung gesetzlich verankerter Handwerks-Organisationen, die in der Lage sind, ihre berufsständischen und handwerkspolitischen Aufgaben zu erfüllen,
- damit verbunden die Bestätigung der Handwerkskammern als echte Selbstverwaltungskörperschaften des öffentlichen Rechts,
- die klare Definition von Handwerksberufen in Form der „Anlage A“,
- die Mitwirkung der Gesellen in Form der Drittelparität.
ab 1956 HWK Schwaben baut umfassendes Beratungsangebot auf
Handwerkliche Unternehmer, die häufig technische und kaufmännische Fachkraft in einer Person vereinen, werden bei der Führung ihres Betriebes durch ein kostenfreies, dezentrales betriebswirtschaftliches Beratungsangebot unterstützt.
Vor allen anderen bundesdeutschen Kammern wird eine landhandwerkliche Beratungsstelle eingerichtet, die sich 1964 zu einer allgemeinen Technischen Beratungsstelle entwickelt.
1965 Anlage B der Handwerksordnung
Das handwerksähnliche Gewerbe wird neu in die Anlage B der Handwerksordnung aufgenommen und der Begriff des "verwandten Handwerks" eingeführt.
1969 Berufsbildungsgesetz + HWK-Ausbildungsberatung
Die Neuordnung der dualen Ausbildung durch das Berufsbildungsgesetz bedingt ein neues Aufgabengebiet für die HWK Schwaben, ua. die Beratung der Betriebe hinsichtlich Ausbildungseignung sowie die Überwachung der Einhaltung der Ausbildungsordnung. Dafür nehmen bis 1974 zwei Ausbildungsberater ihre Tätigkeit auf.
1972 Erstes Gewerbeförderungszentrum (GFZ) in Augsburg eröffnet
Um die Aus- und Weiterbildung nach dem Berufsbildungsgesetz 1969 weiter zu unterstützen, wird die Schulungswerkstatt für das metall- und holzverarbeitende Handwerk in Augsburg zum ersten Gewerbeförderungszentrum (GFZ) der HWK Schwaben ausgebaut.
1974/1975 Zahlen, Daten, Fakten
Die Auswertung der Daten aus der Handwerksrolle ergibt für den Kammerbezirk Schwaben insgesamt 18.000 Handwerksbetriebe mit rund 128.000 Beschäftigten. 31 Prozent dieser Betriebe stammen aus dem Metallhandwerk, weitere 17 Prozent aus dem Bau- und Ausbaugewerbe.
Insgesamt gibt es im schwäbischen Handwerk rund 14.500 Auszubildende.
Die Anzahl der Gesellenprüfungen im Kammerbezirk beläuft sich auf 3500.
Kammerpräsident ist der Malermeister Josef Egger. Hauptgeschäftsführer ist Max Rauch.
1978 Zweites Gewerbeförderungszentrum (GFZ) in Kempten eröffnet
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem Gewerbeförderungszentrum (GFZ) in Augsburg wird in Kempten ein zweites aufgebaut. Heute sind diese bekannt als Berufsbildungs- und Technologie-Zentren (BTZ).
1980 Gründung der Akademie des Handwerks
Der rasche wirtschaftliche und technische Fortschritt erfordert gerade von Führungskräften in den Handwerksunternehmen ein fundiertes Wissen aus allen Bereichen der Unternehmensführung. Deshalb gründet die HWK Schwaben die Akademie des Handwerks, auch mit der Weiterbildungsmöglichkeit zum „Betriebswirt des Handwerks“.
1983 Drittes Gewerbeförderungszentrum (GFZ) in Memmingen eröffnet
Mit dem Gewerbeförderungszentrum (GFZ) in Memmingen ist es der HWK Schwaben möglich, neben den Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen (ÜLU) auch Meistervorbereitungskurse sowie Weiterbildungsseminare betriebs- und wohnortnah anzubieten.
29. Juni 1985 Schwäbisches Handwerkermuseum wird feierlich eingeweiht
Ein in der deutschen Handwerkskammer-Landschaft einmaliges Prunkstück der Handwerksgeschichte im ehemaligen Brunnenmeisterhaus am Roten Tor in Augsburg wird eingeweiht: das Schwäbische Handwerkermuseum. Unter der Regie der Kammer von Handwerksbetrieben und Innungen entstanden, veranschaulicht es die reiche Geschichte und Tradition des Handwerks durch detailgetreu nachgebildete Werkstätten, historische Exponate und Werkzeuge. Anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg kann ein Kleinod des schwäbischen Handwerks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Seit 1985 schreibt die HWK Schwaben die Geschichte des „Schmuckkästchens“ stetig fort, das seit 2019 zudem in das Weltkulturerbe „Wasser“ der Stadt Augsburg eingebettet ist.
3. Oktober 1990 Deutsche Wiedervereinigung
Das dominierende Ereignis des letzten Jahrzehnts im ausgehenden 20. Jahrhundert ist die Wiedervereinigung Deutschlands. Für Deutschland, Europa, aber auch für Deutschlands östliche Nachbarländer beginnt damit ein neues Zeitalter. Ein Wandel dieser Dimension hat zwangsläufig auch Auswirkungen auf das Handwerk.
1996 Meister-BAFöG wird realisiert
Die finanzielle Förderung von Maßnahmen zur Aufstiegsfortbildung verbrieft nun gesetzlich die Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung.
19. Juni 1998 Umwelttechnologisches Gründerzentrum (UTG) wird eingeweiht
Die HWK Schwaben ist am Umwelttechnologischen Gründerzentrum (UTG) in Augsburg beteiligt und unterstützt auf diese Weise neben ihrer eigenen Umweltberatung neu gegründete Betriebe, die technologisch neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen auf dem Gebiet der Umwelttechnologie entwickeln, herstellen, anbieten, ausführen oder vertreiben.
2. Oktober 1998 Novellierung der Handwerksordnung (HwO)
Die Anlage A wird aktualisiert und aus den 127 Berufen der letzten Handwerksordnung werden 94 moderne und zukunftsorientierte Berufe.
1999/2000 Zahlen, Daten, Fakten
Die Auswertung der Daten aus der Handwerksrolle ergeben für Ende 1999 für den Kammerbezirk insgesamt 21.976 Handwerksbetriebe mit rund 140.000 Beschäftigten.
Gemeinsam erwirtschaften sie 1999 einen Umsatz von rund 22 Milliarden DM.
Der Kammerbezirk umfasst 11 Kreishandwerkerschaften mit insgesamt 152 Innungen.
In das neue Jahrtausend gehen die Handwerkskammer für Schwaben und ihre 200 Mitarbeitenden mit Malermeister Manfred Rudel als Präsident und Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner an der Spitze.
seit 2000
Dynamische Entwicklung des Handwerks – HWK Schwaben wird „von der Behörde zum Dienstleister für ein starkes Handwerk“
Technologischer Fortschritt, gesellschaftlicher Wandel, politische Entscheidungen sowie Krieg und Krisen prägen die Geschichte des Handwerks seit Beginn des neuen Jahrtausends.
Für die enormen Herausforderungen wappnet sich die HWK Schwaben mit einem Organisationsentwicklungsprozess unter dem Motto „Von der Behörde zum Dienstleister“. Mit allen Mitarbeitenden wird zunächst ein Leitbild und später eine Mission und Vision entwickelt, die seither regelmäßig fortgeschrieben werden. Als Nutzenversprechen an die Kunden und Partner gilt „für ein starkes Handwerk“, das heißt, die HWK Schwaben als starke Handwerkskammer ist „der zentrale Vordenker, Dienstleister und Interessensvertreter für ein starkes Handwerk in Schwaben“.
Zudem beginnt mit dem Start des neuen Jahrtausends für die HWK Schwaben ein Vierteljahrhundert des Bauens.
2001 Erster Internetauftritt der HWK Schwaben
Mit dem Aufkommen des World Wide Web geht auch die HWK Schwaben mit ihrem ersten Internetauftritt hwk-schwaben.de ins Netz, der regelmäßig gelauncht, facegeliftet und optimiert wird.
1. Januar 2002 Einführung des Euro
Gleich zu Beginn des neuen Jahrtausends ereignet sich Geschichtsträchtiges: Der Euro löst die nationalen Währungen als Zahlungsmittel ab und ist zwischenzeitlich die offizielle Währung von 20 der 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union.
5. Dezember 2003 Akademie der HWK Schwaben wird eröffnet
Unter dem Motto „Lernen im Grünen“ markiert die Eröffnung der Akademie der HWK Schwaben den ersten Meilenstein der Baumaßnahmen der HWK Schwaben in Augsburg und führt die komplette Aus-, Fort- und Weiterbildung am Standort an der Siebentischstraße auf einem Gelände zusammen.
1. Januar 2004 Handwerksnovelle: „Kampf um den Meisterbrief“
Zwischen 2000 und 2003 wird der „Kampf um den Meisterbrief“ mit großer Öffentlichkeitswirksamkeit geführt, v.a. auch von den bayerischen Handwerkskammern im Rahmen ihrer politischen Interessensvertretung – nur mit kleinen Erfolgen. Die neue HwO tritt mit der Abschaffung der Meisterpflicht in 53 Gewerken in Kraft und wird 2020 um wenigstens 12 Gewerke wieder korrigiert.
1. Januar 2008 Bezug des Service-Zentrums der HWK Schwaben
Der Bezug des Servicezentrums in Augsburg führt zur Bündelung der HWK-Angebote und stärkt die Unterstützung für Handwerksbetriebe durch zentrale Dienstleistungen und Beratung. Als „Haus des Handwerks“ gedacht, finden seither im extra dafür konzipierten Atrium zahlreiche interne und externe Veranstaltungen statt.
seit 2008 Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei der HWK Schwaben im Fokus
Die HWK Schwaben nimmt eine Vorreiterrolle bei den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein, insbesondere engagiert sie sich in besonderem Maße für den Klimaschutz. Unter dem Jahresmotto „Klimaschutz ist unser Handwerk“ wird 2008 das Klimaschutznetzwerk der HWK Schwaben gegründet, in dem sich zwischenzeitlich 750 Handwerksbetriebe und zahlreiche Partner für klimafreundliches und energieeffizientes Bauen und Sanieren miteinander vernetzen.
Die HWK Schwaben selbst hat sich ebenfalls einer nachhaltigen Unternehmensführung verschrieben und bindet darin alle Mitarbeitenden ein. Die vielfältigen Maßnahmen werden seit 2014 im Zweijahresturnus in einem Nachhaltigkeitsbericht publiziert. Die HWK Schwaben ist darüber hinaus 2017 die erste Wirtschaftskammer in Deutschland, die eine Erklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex veröffentlicht und dies seither tut. Und sie stellt sich – als erste deutsche Handwerkskammer im Jahr 2021 – jährlich klimaneutral.
28. Februar 2008 Bayerische Nachwuchskampagne „Macher gesucht!“ startet
Vorausschauend bei einem damals noch Arbeitgeber-Markt ruft der Bayerische Handwerkstag (BHT) die Kampagne „Macher gesucht!“ ins Leben, deren Etablierung dem bayerischen Handwerk seither große Dienste bei der Bekämpfung des Azubi-Mangels leistet.
Unter dem Dach „Macher gesucht!“ steht auch der Tag des Handwerks für alle allgemeinbildenden Schulen in Bayern seit dem Schuljahr 2022/2023.
2009 Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise – Hochschulzugang mit beruflicher Qualifikation
Deutschland ist gerade aufgrund seiner intensiven internationalen Verflechtungen von der Krise betroffen, schafft es aber, auch durch sein Rückgrat Handwerk und Mittelstand den wirtschaftlichen Einbruch abzufedern.
Ein erster wichtiger Schritt zur Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung erfolgt mit dem Zugang zur Hochschule nicht nur mit Abitur oder Fachabitur, sondern auch mit einer beruflichen Qualifikation, z.B. der Meisterprüfung.
1. Januar 2010 Imagekampagne des deutschen Handwerks startet
Das deutsche Handwerk ruft als erster und bisher einziger, kompletter Wirtschaftszweig die bundesweite Imagekampagne ins Leben und steigert seitdem die Wahrnehmung des Handwerks sowie die Wertschätzung für das Handwerk stetig.
Die HWK Schwaben nutzt diese Kampagne zur Nachwuchs- und generell zur Werbung für das Handwerk und ist die erste von 53 Handwerkskammern in Deutschland, die dafür Sportmarketing-Kooperationen eingeht.
2013 Meisterbonus wird in Bayern eingeführt
Zusätzlich zum Meister-BAföG wird auf Initiative der Handwerksorganisation in Bayern, va. auch der HWK Schwaben, der Meisterbonus eingeführt, im Jahr 2019 auf 2.000 Euro und im Jahr 2023 auf 3.000 Euro erhöht – ein wichtiger weiterer Schritt hin zur Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.
2014 HWK Schwaben startet ihre Social Media Aktivitäten
Ihre Social Media Aktivitäten beginnt die Handwerkskammer für Schwaben mit einer Facebook-Seite. Zwischenzeitlich bespielt sie auch YouTube, Instagram und LinkedIn.
September 2019 Bildungsportal der HWK Schwaben als zweiter Internetauftritt
Zum Vertrieb des umfangreichen Kursangebots geht die Webseite bildungschwaben.de online.
Januar 2020 Meistertitel wird Bachelor-Abschluss gleichgestellt
Die Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) bildet einen weiteren Meilenstein für noch mehr Attraktivität der beruflichen Bildung. Zentrales Element ist die Einführung transparenter Fortbildungsstufen für die höherqualifizierende Berufsbildung. Im Deutschen Qualifizierungsrahmen (DQR) wird der Meister dem Bachelor-Abschluss gleichgestellt und darf sich „Bachelor Professional“ nennen.
ab Januar 2020 Corona-Pandemie
Eines der dominierenden Ereignisse der kürzeren Vergangenheit ist die Corona-Pandemie (Januar 2020 – April 2023), die das Handwerk auch dank der Beratung und Unterstützung seiner Handwerkskammern, ihrer umfangreichen und tagesaktuellen Kommunikation und Information, ihrer kurzfristigen Umstellung auf Online-Lernangebot und Webinare sowie ihrer politischen Arbeit einigermaßen gut übersteht. Gerade in dieser Krise werden die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks sowie die Systemrelevanz vieler Gewerke besonders deutlich.
Mai 2020
Inbetriebnahme des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) der HWK Schwaben in Augsburg
Der topmoderne und zukunftsweisende Neubau des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) in Augsburg, eines der modernsten in Deutschland, ist die größte Investition in der Geschichte des schwäbischen Handwerks und markiert einen bedeutenden Schritt in der Ausbildung und Förderung handwerklicher Fach- und Nachwuchskräfte.
Juli 2023 Tag des Handwerks für bayerische Schulen wird beschlossen
Durch einen Beschluss der Bayerischen Staatsregierung wird im Schuljahr 2022/2023 in Bayern ein verpflichtender "Tag des Handwerks" für die allgemeinbildenden Schulen eingeführt. Die HWK Schwaben hatte sich dafür jahrelang politisch stark gemacht.
2024/2025 Zahlen, Daten, Fakten
Die Handwerksrolle zählt für Ende 2024 für den Kammerbezirk knapp 31.000 Handwerksbetriebe mit rund 147.000 Beschäftigten, darunter knapp 10.000 Azubis.
Gemeinsam erwirtschaften sie 2024 einen Umsatz von rund 20,5 Milliarden Euro.
Der Kammerbezirk umfasste 8 Kreishandwerkerschaften, davon 3 Außenstellen der HWK Schwaben, mit insgesamt 102 Innungen.
An der Spitze der Handwerkskammer für Schwaben mit ihren 230 Mitarbeitenden stehen zu Beginn des zweiten Viertels des 21. Jahrhunderts Metzgermeister Hans-Peter Rauch als Präsident und Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner.
Die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer
seit Bestehen der Handwerkskammer für Schwaben
Präsidenten
1900 – 1923 Johann Nepomuk Mederle, Schuhmachermeister
1925 – 1931 Josef Halbeck, Landesgewerberat
1931 – 1933 Ludwig Brandstätter, Malermeister und Gewerberat
1933 – 1945 Hans Rehm, Metzgermeister
1945 – 1970 Anton Hockelmann, Spengler- und Installateurmeister
1970 – 1984 Senator Josef Egger, Malermeister
1984 – 1996 Senator Donat Müller, Zimmerermeister
1996 – 2009 Manfred Rudel, Malermeister
2009 – 2014 Jürgen Schmid, Maschinenbaumeister
2014 – heute Hans-Peter Rauch, Metzgermeister
Hauptgeschäftsführer
1900 – 1902 Karl Stadelmann
1902 – 1925 Dr. Hermann Purpus
1925 – 1945 Direktor Cäsar Frettlöh
1945 – 1946 Dr. Dr. Heinrich Mengelberger
1946 – 1958 Dr. Georg Käß
1959 – 1969 Dr. Philipp Kurtz
1969 – 1971 Dr. Josef Schreiegg
1971 – 1991 Max Rauch
1991 – 1998 Dieter Kurtz
1999 – heute Ulrich Wagner
125 Jahre Handwerkskammern in Bayern
Warum wurden die Handwerkskammern gegründet? Welche Aufgaben erfüllen Sie für ihre Mitglieder?